
About this episode
"Nachts ist die Einsamkeit am schärfsten, da kommt alles zusammen – die
Kontaktlosigkeit, die Dunkelheit und die Schlaflosigkeit", sagt Elke
Schilling, Gründerin und Vorsitzende des Senioren-Telefons Silbernetz,
im Podcast Frisch an die Arbeit. "Das kann einem gerade über die
Feiertage unglaublich auf die Seele fallen."
Schilling, selbst schon 82 Jahre alt, hat in der DDR Mathematik
studiert, zwischen 1969 und 1989 als Programmiererin gearbeitet, wurde
mit der Wiedervereinigung arbeitslos und begann eine Karriere in
Politik. Erst wurde sie Staatssekretärin für Frauenfragen in
Sachsen-Anhalt, dann Beraterin für Unternehmen und schließlich Gründerin
einer Telefonseelsorge. Der entscheidende Impuls für das sogenannte
Silbernetz kam Schilling durch ein persönliches Erlebnis: Ein älterer
Nachbar verschwand plötzlich aus ihrem Alltag, wochenlang brannte Licht
in seiner Wohnung, dann tauchten Fliegen auf. Als der Vermieter
schließlich die Tür öffnen ließ, stellten sie fest: Der Nachbar war seit
Wochen tot.
Im Gespräch sagt Schilling: "So einsam darf kein Mensch sein". Und doch
sind solche Todesfälle nicht selten, erzählt sie: "In jeder deutschen
Großstadt sterben jedes Jahr rund 300 Menschen auf diese Weise." 2015
gründete sie deshalb einen Verein und orientierte sich dabei an einer
Idee aus Großbritannien. Ursprünglich wollte sie eine Hotline für
einsame, ältere Menschen in Berlin erschaffen.
Heute gibt es zusätzlich zum Verein mit fast 350 Ehrenamtlichen ein
Sozialunternehmen mit mehr als 30 Mitarbeitenden. Das Angebot von
Silbernetz richtet sich an Menschen ab 60 Jahren, aber "meine älteste
Anruferin war 109 Jahre alt", erzählt Elke Schilling.
Über das Jahr ist das Telefon täglich zwischen 8 und 22 Uhr zu
erreichen, an Weihnachten aber, erzählt Schilling, sitzen die
Ehrenamtlichen der Hotline Tag und Nacht an den Apparaten. "Die
Weihnachtszeit ist unglaublich emotional aufgeladen", sagt Schilling.
"Eigentlich klingelt das Telefon dann die ganze Zeit. "Eine der
Zielgruppe des Silbernetz seien natürlich Menschen über 85, die
körperlich oft nicht mehr mobil seien und deren Gesprächskreis dadurch
verkleinere: "Je älter man wird und je mobiler man eingeschränkt ist,
desto weniger Kontakte hat man ich – und desto weniger neue kann man
knüpfen."
Aber auch pflegende Angehörige, erzählt Schilling, seien oft einsam.
"Ihr sozialer Kreis schrumpft durch die Pflege auf eine einzige Person",
sagt Schilling. Im Podcast erzählt Schilling außerdem, wie das
Silbernetz in der Pandemie stark wachsen konnte, warum Geld ihre größte
Sorge ist und welchen Tipp sie Menschen gibt, die sich vor dem Anruf bei
der Großtante drücken.
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